Kühltuch: Wie lange kühlt es, und wie benutzt man es?
Nass machen, auswringen, ausschlagen: was im Tuch passiert, warum Luftfeuchte und Wind entscheiden, und wo ein Tuch nicht hinpasst.

Ein Kühltuch kühlt durch Verdunstung: Das Wasser im Stoff verdunstet und nimmt dabei Wärme von der Haut mit. Es kühlt, solange Wasser aus dem Stoff verdunsten kann. Wie lange das dauert, entscheiden Luftfeuchte, Wind und Sonne. Trockene, bewegte Luft kühlt stärker, trocknet das Tuch aber schneller aus. Dann heißt es: nass machen, auswringen, weiter.
So funktioniert ein Kühltuch
In einem Kühltuch steckt nichts Kaltes. Es ist ein Stoff, der viel Wasser aufnimmt und es über eine große Fläche an die Luft abgibt. Damit Wasser verdunstet, braucht es Energie: rund 2.430 Kilojoule pro Kilogramm bei 37 °C. Einen guten Teil dieser Wärme holt es sich vom Tuch und von dem, worauf das Tuch liegt. Mit Schweiß passiert dasselbe.
Viele Kühltücher bestehen aus einem von zwei Materialien. PVA fühlt sich trocken steif an wie ein Fensterleder und wird nass weich. Ein Mikrofaser-Netz bleibt immer weich und leicht. Beide halten viel Wasser und geben es über die ganze Fläche ab.
Wie kalt kann ein nasses Tuch werden?
Nicht beliebig kalt. Die Grenze ist die Feuchtkugeltemperatur, laut US-Wetterdienst die tiefste Temperatur, die sich durch Verdunsten von Wasser erreichen lässt. Sie hängt von der Luftfeuchte ab. Zwei Beispiele, berechnet nach der Formel von Stull (2011):
- 30 °C Lufttemperatur, 40 % Luftfeuchte: Grenze bei rund 20 °C
- 30 °C Lufttemperatur, 80 % Luftfeuchte: Grenze bei rund 27 °C
Auf der Haut liegt ein Tuch in der Regel darüber, weil die Haut es ständig wärmt. In trockener Hitze kann ein nasses Tuch also deutlich kühler werden als die Luft. An einem schwülen Tag ist der Abstand klein.
Wie lange bleibt ein Kühltuch kalt?
So lange Wasser aus dem Stoff verdunstet. Eine feste Zahl gibt es nicht, auch wenn Verpackungen gern eine nennen. Drei Dinge entscheiden:
- Luftfeuchte. In trockener Luft verdunstet das Wasser schnell. Das Tuch kühlt stärker, ist aber früher trocken. In schwüler Luft bleibt es länger feucht und kühlt schwächer.
- Wind. Bewegte Luft trägt den Wasserdampf weg und hält die Verdunstung in Gang. Im Fahrtwind verdunstet das Wasser schneller als im Liegestuhl.
- Sonne. Direkte Sonne heizt Tuch und Wasser auf, und es trocknet früher.
Fühlt sich das Tuch nur noch feucht statt kühl an, schüttle es kurz aus. Hilft das nicht, mach es neu nass.
Kühltuch richtig anwenden
- Nass machen. Das Tuch ganz in kühles Wasser tauchen, bis der Stoff vollgesogen ist. Leitungswasser reicht.
- Auswringen. So fest, dass es feucht ist, aber nicht tropft. Ein tropfendes Tuch kühlt nicht stärker, es macht nur das Shirt nass.
- Ausschlagen. An zwei Ecken nehmen und ein paarmal kräftig durch die Luft schlagen. Das verteilt das Wasser im Stoff und bringt Luft an die Fasern.
- Locker auflegen. Um den Nacken, über die Schultern oder unter die Kappe. An das Tuch muss Luft kommen. Unter einem Kragen eingeklemmt kühlt es deutlich schwächer.
- Nachfeuchten. Wird es warm, wieder nass machen. Unterwegs reicht dafür eine Trinkflasche Wasser.
Ein Tuch aus dem Kühlschrank fühlt sich am Anfang kälter an. Danach übernimmt die Verdunstung, und die Wassertemperatur vom Start spielt kaum noch eine Rolle.
Woran du ein gutes Kühltuch erkennst
Beim Vergleichen helfen diese Punkte:
- Wasseraufnahme. Nach dem Auswringen soll das Tuch überall gleich feucht sein, ohne zu tropfen.
- Größe. Lang genug für Nacken und Schultern, ohne dass du es festknoten musst.
- Waschbar. Ein Tuch, das täglich Schweiß und Sonnencreme abbekommt, muss in die Wäsche dürfen.
- Ehrliche Zahlen. Eine Gradzahl auf der Packung sagt wenig, wenn nicht dabeisteht, bei welcher Luftfeuchte gemessen wurde. An einem schwülen Tag ist weniger drin, siehe Feuchtkugeltemperatur.
Waschen und pflegen
Nach dem Tragen mit klarem Wasser ausspülen, damit Schweiß und Sonnencreme nicht in den Fasern bleiben. Zum Trocknen aufhängen. Ob das Tuch in die Maschine darf und bei wie viel Grad, steht auf dem Etikett. Weichspüler legt sich auf die Fasern und bremst die Wasseraufnahme, also besser weglassen. PVA-Tücher werden beim Trocknen steif und beim nächsten Nassmachen wieder weich.
Wo ein Tuch nicht hinpasst
Ein Tuch muss irgendwo hängen: um den Nacken oder über den Schultern. Am Spielfeldrand, im Garten oder in der Pause auf der Wanderung passt das gut. Beim Laufen, auf dem Rad oder mit Helm und Arbeitskleidung wollen viele dort nichts Lockeres haben. Und zum Nachfeuchten braucht es Wasser.
Liquid Ice ist eine andere Form derselben Idee. Die Flüssigkeit kommt auf Stoff, den du ohnehin trägst: ein eng anliegendes Shirt, ein Schweißband am Handgelenk oder eine Bandage. Der Stoff hält sie und gibt sie nach und nach an die Luft ab. Wie beim Tuch kühlt die Verdunstung, Menthol verstärkt das Kältegefühl. Und wie beim Tuch braucht die Verdunstung Luft: Unter dicht abschließender Kleidung kühlt es schwächer. Die Flasche lagert bei Raumtemperatur.

An der getränkten Bandage gemessen: 5,8 °C kühlere Haut, und nach zwei Stunden kühlt es noch. So hat es das Labor Dermatest 2008 in Münster gemessen, mit 20 Personen, per Infrarot, über 120 Minuten. Ob Liquid Ice auf dem Shirt mehr oder weniger kühlt als ein nasses Tuch, haben wir nicht gemessen.
Kühltuch, Kühlweste, Kühlflüssigkeit im Überblick
- Kühltuch: Wasser verdunstet aus dem Tuch. Braucht Wasser zum Nachfeuchten und Platz an Nacken oder Schultern.
- Verdunstungs-Kühlweste: dasselbe Prinzip auf größerer Fläche am Oberkörper. Wird vorher gewässert und kühlt, wie das Tuch, bei schwüler Luft schwächer.
- Kühlweste oder Nackenring mit Kühlelementen: Die Elemente werden unterhalb ihrer Schmelztemperatur fest, je nach Material etwa zwischen 14 und 28 °C, und nehmen Wärme auf, solange sie schmelzen. Die Luftfeuchte spielt dafür keine Rolle, aber das Aufladen dauert.
- Kühlflüssigkeit (Liquid Ice): verdunstet aus Shirt, Schweißband oder Bandage. Kein Kühlschrank, kein Strom.
Welche Kühlweste wann passt, steht in Kühlweste oder Kühlflüssigkeit? Ein Vergleich.
Kühlshirt, Kühlarmband und andere kühlende Kleidung im Überblick: Welche Kleidung kühlt wirklich bei Hitze?
Häufige Fragen
Wie lange bleibt ein Kühltuch kalt?
So lange Wasser aus dem Stoff verdunstet. In trockener, bewegter Luft kühlt es stärker und ist früher trocken, in schwüler Luft bleibt es länger feucht und kühlt schwächer. Wird es warm: ausschütteln, neu nass machen, auswringen.
Was bringen Kühltücher?
Sie kühlen die Haut dort, wo sie aufliegen, solange Wasser aus dem Stoff verdunstet. Am meisten bringt das bei trockener Luft und etwas Wind, am wenigsten an schwülen, windstillen Tagen.
Wie benutzt man ein Kühltuch?
Nass machen, auswringen, bis es nicht mehr tropft, kräftig ausschlagen und locker um Nacken oder Schultern legen. Wird es warm, wieder nass machen.
Muss ein Kühltuch in den Kühlschrank?
Nein. Die Kühlung kommt von der Verdunstung. Ein vorgekühltes Tuch fühlt sich nur am Anfang kälter an.
Funktioniert ein Kühltuch bei hoher Luftfeuchtigkeit?
Ja, aber schwächer. Je feuchter die Luft, desto langsamer verdunstet das Wasser und desto näher liegt die Feuchtkugeltemperatur an der Lufttemperatur. Bei 30 °C und 80 % Luftfeuchte liegt sie bei rund 27 °C.
Was ist der Unterschied zwischen einem Kühltuch und Liquid Ice?
Ein Kühltuch ist Stoff plus Wasser. Liquid Ice ist die Flüssigkeit für den Stoff, den du schon trägst: Shirt, Schweißband oder Bandage. Beide kühlen durch Verdunstung. Einen Messvergleich zwischen beiden gibt es nicht.
Kältespray, Körpernebel, Kühlflüssigkeit: der Unterschied, kurz erklärt. Liquid Ice im Training: Training bei Hitze.
Zum Ausprobieren: Liquid Ice 500 ml mit Pumpsprüher, für Shirt, Schweißband und Bandage.
Quellen: OpenStax College Physics 2e: Phase Change and Latent Heat · NWS Glossar: Wet-Bulb Temperature · Stull (2011): Wet-Bulb Temperature from Relative Humidity and Air Temperature · GHHIN: Keep Cool



