Skiunfall am Knie: Was tun in der ersten Stunde?

Knie auf der Piste verdreht: die erste Stunde Schritt für Schritt, von der Unfallstelle über die Hütte bis zur Unterkunft. Mit den Warnzeichen, bei denen du zum Arzt solltest.

Von Liquid Ice 7 Min. Lesezeit ·
Self Cooling Bandage straff um das Knie gewickelt, daneben die Liquid Ice Dose

Nach einem Sturz mit verdrehtem Knie gilt: sofort anhalten, die Unfallstelle sichern und das Bein nicht weiter belasten. Hast du einen Knall gehört, knickt das Knie weg, kannst du nicht auftreten oder schwillt es schnell an, holst du die Pistenrettung, statt selbst ins Tal zu fahren. Gekühlt wird erst drinnen: in der Hütte, in der Unterkunft oder im Auto.

Hier steht der Reihe nach, was in der ersten Stunde zählt und wann du zum Arzt solltest. Die Angaben stammen von Erste-Hilfe-Organisationen und Gesundheitsportalen, die Quellen stehen am Ende.

Wie oft trifft es beim Skifahren das Knie?

Knieverletzungen sind die häufigste Skiverletzung. Die Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU Ski) rechnet für die Saison 2024/25 mit 51.000 bis 53.000 Skisportlerinnen und Skisportlern, die ärztlich behandelt werden mussten. Bei den Erwachsenen betrafen 27,1 % aller Verletzungen das Knie, bei Frauen 37,3 %, bei Männern 20,7 %. In Österreich zählt das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) rund 24.000 verletzte Skifahrer pro Jahr.

Ein typischer Fall ist der Kreuzbandriss. Laut gesund.bund.de sind Unfälle beim Ballsport oder beim Skifahren meistens der Grund dafür, und Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Auf der Piste: anhalten, sichern, Hilfe holen

  1. Bleib stehen oder sitzen und belaste das Knie nicht weiter. Beim Verdacht auf einen Kreuzbandriss soll das Gelenk laut NDR nicht mehr belastet werden.
  2. Sichere die Unfallstelle. Dafür kommt etwa fünf bis zehn Meter oberhalb ein Paar Ski über Kreuz in den Schnee. Liegt die Stelle hinter einer Kuppe oder Kurve, steckst du die Ski schon davor.
  3. Halte die verletzte Person warm. Wer länger im Schnee liegt, kann stark auskühlen.
  4. Hol Hilfe: über den Euronotruf 112, in Österreich auch über die Bergrettung unter 140 oder über das Liftpersonal. Sag genau, wo ihr seid (Piste, Pistennummer, Liftstation), was passiert ist und wer verletzt ist.

Sicherheitsregel: Auf der Piste wird nicht mit einer nassen Bandage gekühlt. Draußen bei Minusgraden und Wind bleibt die getränkte Bandage in der Dose, weil sie die Haut dort zu stark auskühlen kann. Angelegt wird sie erst drinnen: in der Hütte, in der Unterkunft, zu Hause oder im Auto.

Wann muss die Pistenrettung kommen?

Fahr nicht selbst ab und ruf Hilfe, wenn eines davon zutrifft:

  • Du hast beim Sturz ein Knacken oder einen Knall im Knie gehört.
  • Das Knie schwillt sofort deutlich an.
  • Das Knie knickt weg oder fühlt sich instabil an.
  • Du kannst das Bein nicht belasten.
  • Das Gelenk sieht verformt aus.
  • Bein oder Fuß sind taub oder kribbeln, oder die Haut wird blau, grau oder kalt.

Die ersten drei Punkte beschreiben gesund.bund.de und der NDR als typische Zeichen eines Kreuzbandrisses. Die übrigen nennt der britische Gesundheitsdienst NHS als Grund für Notruf oder Notaufnahme.

In der Hütte: hochlagern und richtig kühlen

Drinnen kommt das Bein hoch. Bei einem Kreuzbandriss soll das Knie laut gesund.bund.de direkt nach dem Unfall hochgelegt und gekühlt werden. Wie lange am Stück, darüber sind sich die Quellen nicht einig:

  • Malteser und ADAC: 10 Minuten kühlen, dann 10 Minuten Pause.
  • NDR: 15 Minuten kühlen, danach zwei Stunden Pause. Kühlpacks kommen aus dem Kühlschrank, nicht aus dem Tiefkühler.
  • NHS: bis zu 20 Minuten, alle zwei bis drei Stunden.

Eiswürfel und Kühlpacks legst du nie direkt auf die Haut, sondern wickelst sie in ein Tuch. Warum die Zeiten so unterschiedlich ausfallen, erklärt unser Ratgeber Prellung kühlen: wie lange?

In der Unterkunft: die ersten zwei, drei Tage

Für die ersten zwei bis drei Tage nach einer Verstauchung oder Zerrung nennt der NHS fünf Schritte: das Knie schützen, ruhen und nicht belasten, kühlen, mit einer Binde stützen und so oft wie möglich hochlagern. Wärme, Alkohol und Massagen meidest du in dieser Zeit. Bei einem Kreuzbandriss kann laut gesund.bund.de auch ein Druckverband sinnvoll sein.

Die bekannte PECH-Regel wird laut NDR zunehmend durch das Konzept PEACE & LOVE ersetzt. Was sich dabei ändert, steht in unserem Beitrag zur PECH-Regel und PEACE & LOVE.

Kühlen ohne Gefrierfach: die Bandage aus der Dose

Ohne Gefrierfach in der Ferienwohnung oder im Hotelzimmer wird es mit Eis schwierig. Die Self Cooling Bandage von Liquid Ice braucht weder Eis noch Gefrierfach. Sie besteht aus einer Dose mit 360 ml Liquid Ice und einer elastischen Bandage. Liquid Ice ist eine Kühlflüssigkeit aus Wasser, denaturiertem Ethanol, Menthol und Campher, die die Haut beim Verdunsten kühlt. Dose und Bandage lagern bei Raumtemperatur und brauchen keinen Strom.

Die elastische Bandage wird aus der Liquid Ice Dose gehoben, in der sie getränkt wurde

So legst du sie an, sobald du drinnen bist:

  1. Die Bandage in der Dose tränken.
  2. Über der Dose auswringen, bis sie feucht ist und nicht mehr tropft.
  3. Unterhalb des Knies beginnen und straff spiralförmig nach oben wickeln, jede Lage leicht überlappend.
  4. Das Ende oben einstecken. Nicht abdecken und nicht abkleben, die Bandage braucht Luft.

So bekommst du Kühlung und Kompression in einer Bandage. An der getränkten Bandage gemessen: 5,8 °C kühlere Haut, und nach zwei Stunden kühlt es noch. Gemessen hat Dermatest in Münster 2008 an 20 Probanden mit Infrarot, hier steht die Messung. Ist die Bandage trocken, tauchst du sie wieder in die Dose, wringst sie aus und legst sie neu an.

Die Bandage gehört nicht auf offene Wunden, frische Narben oder gereizte Haut, und Liquid Ice nicht in die Augen. Draußen bei Minusgraden und Wind bleibt sie in der Dose. Wie du ein Knie Schritt für Schritt wickelst und woran du merkst, dass die Bandage zu fest sitzt, zeigt die Seite Kühlbandage fürs Knie.

Zur Self Cooling Bandage (Dose mit Bandage)

Knie geschwollen oder Knieschmerzen nach dem Skifahren: wann zum Arzt?

Lass dich nach Hause oder in die Notaufnahme fahren. Der NHS rät bei Verdacht auf einen Bruch ausdrücklich, nicht selbst zu fahren, sondern sich fahren zu lassen oder den Rettungsdienst zu rufen.

Schwillt das Knie nach einem Verdrehen an, schmerzt es, bildet sich ein Bluterguss oder lässt es sich schlechter bewegen, rät der NDR, immer zum Arzt zu gehen. Ansprechpartner sind Orthopäden, Unfallchirurgen und Sportmediziner. Nicht warten solltest du vor allem in diesen Fällen:

  • Das Knie fühlt sich instabil an, als würden sich Ober- und Unterschenkel leicht gegeneinander verschieben, etwa bei Kniebeugen, Drehungen oder auf der Treppe.
  • Das Knie knickt beim Gehen weg.
  • Du kannst das Knie nicht mehr ganz strecken.
  • Die Schwellung ist sehr stark, oder die Schmerzen werden zunehmend stärker.

Die ersten drei Punkte nennen gesund.bund.de und der NDR als typische Zeichen eines Kreuzbandrisses, den vierten der NDR bei Prellungen. Manche Betroffene können nach einem Kreuzbandriss normal auftreten. Dass du gehen kannst, heißt also nicht, dass nichts gerissen ist.

Schulter und Skidaumen

Schulter

Auf die Schulter entfallen laut ASU 18,6 % aller Verletzungen, bei Männern 23,0 %. Bei ihnen ist sie damit die am häufigsten verletzte Körperregion. Sieht die Schulter verformt aus oder sind Arm oder Hand taub, gilt dasselbe wie beim Knie: Notruf. Lässt sich der Arm kaum bewegen, lass die Schulter ärztlich untersuchen.

Skidaumen

Beim Skidaumen reißt das innere (ulnare) Seitenband am Daumengrundgelenk, oder es reißt am Knochen aus. Typisch ist ein Sturz mit dem Skistock in der Hand. Der Daumen ist danach geschwollen, blau verfärbt und schmerzt. Ob das Band nur angerissen oder ganz gerissen ist, entscheidet laut der britischen Gesellschaft für Handchirurgie (BSSH) über Schiene oder Operation. Ein Skidaumen gehört deshalb in ärztliche Hände.

Für Praxen und Teams im Skigebiet gibt es eine eigene Seite: Für Praxen und Teams.

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Quellen

  • Unfälle und Verletzungen im alpinen Skisport, Zahlen und Trends 2024/2025. Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU Ski) der ARAG, herausgegeben mit der Stiftung Sicherheit im Skisport, 2025. stiftung.ski
  • KFV war 25 Jahre nach dem Unglück in Galtür bei Lawinenübung dabei. Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), 21.02.2024. kfv.at
  • Kreuzbandriss. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, 17.03.2023. gesund.bund.de
  • Kreuzbandriss: Symptome, Behandlung und Heilungsdauer. NDR Ratgeber, Stand 25.08.2026. ndr.de
  • Distorsion (Verstauchung): Symptome und Behandlung. NDR Ratgeber, 17.07.2024. ndr.de
  • Prellung: schnelle Hilfe durch effektive Behandlung. NDR Ratgeber, 01.03.2024. ndr.de
  • Erste Hilfe beim Skiunfall: Rettung auf der Piste. Malteser Hilfsdienst. malteser.de
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Sportverletzungen. Malteser Hilfsdienst. malteser.de
  • Erste Hilfe bei Sturz, Prellung und Knochenbruch. ADAC, 24.08.2023. adac.de
  • Selbstschutztipp Skifahren und Snowboarden. Oberösterreichischer Zivilschutz, 2024. land-oberoesterreich.gv.at
  • Sprains and strains. NHS. nhs.uk
  • Skidaumen. DocCheck Flexikon, zuletzt bearbeitet 07.11.2025. flexikon.doccheck.com
  • Skier's thumb. British Society for Surgery of the Hand (BSSH). bssh.ac.uk

Messung: Getränkte Bandage · Dermatest GmbH, Münster · 20 Probanden · Infrarot · 120 Min. · 2008 · verglichen mit der eigenen Ausgangstemperatur jeder Person. Zum Protokoll

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